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BIBLIOTHECA

BIBLIOGRAPHICA.

KRITISCHES VERZEICHNISS

DER DAS GESAMMTGEBIET DER BIBLIOGRAPHIE
BETREFFENDEN LITTERATUR DES

IN- UND AUSLANDES

IN SYSTEMATISCHER ORDNUNG

BEARBEITET

VON

DR. JULIUS PETZHOLDT.

MIT ALPHABETISCHEM NAMEN- UND SACHREGISTER.

LEIPZIG,

VERLAG VON WILHELM ENGELMANN.

1866.

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SR. HOHEN EXCELLENZ

DEM HERRN

BARON MODEST V. KORFF,

KAISERL. RUSSISCHEN WIRKL. GEHEIMRATH UND STAATSSECRETÄR, MITGLIED

DES REICHSRATHS ETC. IN ST. PETERSBURG.

Ew. Hohen Excellenz erlaube ich mir hierbei ein Werk darzubringen, welches zu einem guten Theile seine Entstehung jener Zeit verdankt, wo ich die Ehre gehabt habe, mit Ihnen, dem damaligen verdienstvollen Direktor der Kaiserlichen öffentlichen Bibliothek zu St. Petersburg, in regem wissenschaftlichem Verkehre zu stehen: jene Zeit ist mir eine ebenso liebe und angenehme, als für meine Studien fruchtbringende gewesen, und ich bitte Sie, mein Werk stets als ein Erinnerungszeichen an meine Dankbarkeit betrachten zu wollen, mit der ich lebenslang des mir und meinen Studien von Ihnen in jener Zeit zu Theil gewordenen gütigen Wohlwollens eingedenk bleiben werde. Leider ist freilich dieses mein Werk von dem Ziele der möglichen Vollständigkeit, dem ich es zuzuführen anfangs im Plane gehabt habe, weit entfernt geblieben, so dass ich eigentlich schon desshalb mich hätte abhalten lassen sollen, Ihnen dasselbe darzubringen. Und zudem hat Sie Ihr Allergnädigster Kaiser und Herr inzwischen von dem Posten des Direktors der Kaiserlichen öffentlichen Bibliothek zu einem anderen und höheren Amte abberufen, welches dem Wissenschaftsfache der Bibliographie, dessen Interessen mein Werk zu dienen die Bestimmung hat, durchaus fremd ist, so dass ich auch aus diesem Grunde hätte Bedenken tragen sollen, Ihnen ein rein bibliographisches Werk, wie das meinige ist, darzubieten. Allein Ew. Hohen Excellenz nachsichtiges Wohlwollen gegen mich und alle meine littera

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rischen Arbeiten einestheils, sowie anderntheils der grosse Eifer, welchen Sie früher, offenbar nicht sowohl aus Plichtgefühl allein, als vielmehr aus Neigung, den bibliographischen Studien zugewendet haben, und der wohl schwerlich in Ihnen ganz erkalten dürfte , lassen mich, ich sage es offen, mit einiger Zuversicht erwarten, dass Sie das dargebotene Werk, trotz seiner Mängel, doch mit dem gewohnten Wohlwollen und, trotz Ihrer veränderten amtlichen Stellung, dennoch auch mit einigem Interesse aufnehmen werden. Darum bitte ich Ew. Hohe Excellenz inständig.

Bei dieser meiner Bitte allein mag ich es aber nicht bewenden lassen, sondern ich möchte mir auch zur Rechtfertigung derselben noch erlauben, die Gründe auseinander zu setzen, wesshalb mein Werk nicht den Grad derjenigen Vollkommenheit erreicht hat, welche ich ihm zu geben anfangs beabsichtigt hatte, und der es eigentlich auch erst würdig gemacht haben würde, dass ich es Ew. Hohen Excellenz hätte darbieten, und dabei auf eine wohlwollende Aufnahme von Ihrer Seite schon im voraus rechnen dürfen. Von Haus aus hatte ich den Plan, in meinem Werke eine nicht nur möglichst zuverlässige, sondern auch möglichst vollständige kritisch raisonnirende Uebersicht der bibliographischen Litteratur zu geben, wie sie in den beiden einzigen derartigen, gegenwärtig aber ohnehin schon veralteten Werken, dem Peignot'schen » Répertoire bibliographique universel « und der Namur'schen » Bibliographie paléographico-diplomaticobibliographique générale «, nicht zu finden ist. Bei dem aufmunternden Beifalle einerseits, den mein Plan bei einer grossen Anzahl von Sachverständigen fand, sowie und insbesondere auch bei der Aussicht auf umfängliche Unterstützung andererseits, die mir von Seiten dieser Sachverständigen bereitwillig zugesagt wurde, durfte ich hoffen, meinen Plan zur Ausführung bringen zu können. Indessen, die Unterstützung, ich muss es leider mit Bedauern sagen, ist nicht die gewesen, auf welche ich nach den mir gegebenen Zusagen eigentlich rechnen durfte. Die Unterstützung ist im Vergleiche zu der Grösse des zu bewältigenden Materiales eine sehr geringe geblieben, und von den Vielen, die mir ihre Hilfe zu der Herbeischaffung des Materiales zugesichert hatten, sind es nur Wenige gewesen, darunter vor allem mein leider zu früh verstorbener lieber Freund Paul Trömel in Leipzig, welche ihrem Versprechen nachgekommen sind. Wenn ich mich unter so bewandten Umständen in der Hauptsache auf meine eigenen Mittel und nur in zweiter Reihe noch vornämlich auf die

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Schätze der reichen litterarhistorischen Büchersammlung meines gefälligen Freundes Dr. jur. F. L. Hoffmann in Hamburg, sowie der hiesigen Königlich öffentlichen Bibliothek, bei deren Ausbeutung die Herren Bibliotheksbeamten und insbesondere mein Freund Bibliotheksekretär H. Dittrich mit sehr dankenswerther Bereitwilligkeit mir behilflich gewesen sind, so ziemlich allein beschränkt gesehen habe, so werden es Ew. Hohe Excellenz wohl erklärlich finden, dass ich von dem ursprünglich weiter gesteckten Grenzen meines Planes auf beschränktere zurückgegangen bin, und mir bei der Bearbeitung meines Werkes lediglich die Aufgabe gestellt habe, mehr die möglich grösste Zuverlässigkeit der Angaben, soweit sie mir meine Mittel gestatteten, als die möglich grösste Vollständigkeit im Auge zu behalten, die bei den mir zur Verfügung gebotenen beschränkteren Mitteln, ohne erhebliche Beeinträchtigung der Zuverlässigkeit, doch nimmer hätte erreicht werden können. Demzufolge habe ich in mein Werk ausschliesslich nur Angaben über solche Schriften aufgenommen, die mir entweder – und dies ist zum allergrössten Theile der Fall — zur eigenen Durchsicht und Beurtheilung vorgelegen haben, oder über welche zur Unterscheidung von den ersteren habe ich sie mit einem dem Titel vorgesetzten Sternchen bezeichnet aus glaubwürdigen oder wenigstens mir scheinbar zuverlässigen Quellen genauere Angaben mir zur Hand gewesen sind. Alle übrige Angaben, von denen mir allerdings noch eine sehr grosse Anzahl zu Gebote gestanden hätte, habe ich bis auf Weiteres zurückbehalten, um sie mit Hilfe der Zeit und neugewonnener Freunde meines Werkes durch zuverlässigere Angaben zu ersetzen, und diese letzteren dann für ein Supplement oder eine etwaige zweite Auflage meines Werkes angemessen zu verwerthen. In Betracht dessen muss ich daher die dringende Bitte aussprechen, dass die in meinem Buche hier und da bemerkbaren Lücken, deren es namentlich in der Litteratur der Slavischen Sprachen sehr viele giebt, nicht ohne Weiteres auf Rechnung einer Unkenntniss oder Saumseligkeit von meiner Seite gesetzt, sondern vielmehr, wenigstens zum grössten Theile, als Das, was sie wirklich sind, angesehen werden mögen, nämlich als die mit Absicht offen gelassenen Stellen, die ich mit oberflächlichen und unzuverlässigen oder auch blos unzuverlässig scheinenden Angaben nicht habe besetzen wollen. Lücken dieser Art finden sich unter Anderen namentlich in dem Abschnitte der personalen Litteratur, für den ich ganz ins

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