Page images
PDF
EPUB
[blocks in formation]

EW. EXCELLENZ unternehme ich ein Werk zu überreichen, welches in mehr als Einer Hinsicht dem vaterländischen Boden angehört. Der Anstalt, welche in EW. EXCELLENZ ihren hohen Chef zu verehren das Glück hat, verdanke ich die Gewährung derjenigen Wünsche, die meinem dem bibliothekarischen Geschäftskreise seit früher Jugend zugewendeten Streben die höchsten waren, und sie war zugleich die nächste Veranlassung dieser Arbeit, welche ohne ihre reiche Unterstützung nicht in dieser Ausdehnung hätte ausgeführt werden können. Von denselben Schätzen umgeben, unter welchen einst Winckelmann sich für den classischen Boden vorbereitete, Heinecken die erste Anregung zu seinen noch jetzt vom Auslande geehrten Forschungen fand, und Francke'ns schaffender und ordnender Geist mit einer Liebe waltete, deren sinnvolle Richtung noch späten Generationen ein hohes Muster seyn wird, fühlte ich mich eben so sehr durch die Rückerinnerung jener frühern 'Zeit, als durch die der hohen Leitung und Beförderung EW. EXCELLENZ sich erfreuenden Gegenwart, und durch die Gnade, deren EW. EXCELLENZ mein

Streben würdigten, ermuthigt und verpflichtet, ein Werk zu unternehmen, welches lediglich in den Verhältnissen begründet ist, in welchen ich zu stehen das Glück habe. Möge es würdig seyn, den Ausdruck der lebendigsten Gefühle meiner ehrfurchtsvollsten Dankbarkeit, die bescheidne Darlegung der Rechenschaft über meine bisherigen Bestrebungen und die heissesten Wünsche für das fernere Wohl einer Anstalt zu enthalten, welche eine der höchsten Zierden des theuern Vaterlandes ist.

EW. EXCELLENZ Gnade mich und mein Wirken unterthänig empfehlend verharre ich in tiefster Ehrfurcht

EW. EXCELLENZ

unterthäniger Friedrich Adolf Ebert.

Vorre de.

Nec sane aut nunc me pudeat, aut in posterum unquam pudebit, dum prodesse multis possum, etiam culpam prodere meam, quam nec aliis occupationibus, nec festinationi etiam librariorum imputem, Homo sum.

Egnatius in praef. Script. hist. Aug. Venet. 1526, 8.

Der Titel eines allgemeinen bibliographischen Lexikons ist, sobald ihn der Einzelne seiner Arbeit vorsetzt, allemal eine Anmassung. Ich habe mich derselben wissentlich schuldig gemacht, um sowohl die Idee, welche meiner Arbeit zum Grunde liegt, deutlich zu bezeichnen, als auch die Richtung anzugeben, in welcher fortgearbeitet werden muss, wenn künftig ein des obigen Titels wahrhaft würdiges Werk entstehen soll.

Die Bibliographie ist in ihrem weitern Umfange der Codex diplomaticus der Literar - Geschichte, der sicherste Grad- und Höhenmesser der literarischen Cultur und Thätigkeit; nur durch specielle wissenschaftliche, chronologische oder ethnographische Beziehungen, die uns hier nicht kümmern, wird sie zum blossen Addressbuche für besondere Zwecke andrer Art. In obiger Ausdehnung erkennt sie keine andre Grenze an, als diejenige, welche ihr entweder der reine wissenschaftliche Werth oder das historische Interesse der literarischen Productionen aller Zeitalter und Nationen setzt. Was beider entbehrt, kann vielleicht noch ein örtliches oder noch specielleres Interesse haben; aber es gehört der Bibliographie als Wissenschaft nicht mehr an, und es war, auch abgesehen von den unüberwindlichen äussern Hindernissen, unverkennbarer Schwachsinn, wenn einige Gelehrte von einer allgemeinen Bibliographie träumten, in welcher kein Compendium, kein Pamphlet und keine Versesammlung übergangen werden sollte. Eine auf obige Zwecke berechnete und in der angegebnen Beschränkung gearbeitete Bibliographie würde durch blosse Nomenclatur erreicht werden können, zu welcher der Text die Literargeschichte selbst seyn würde, und wir möchten sie eine reine nennen, im Gegensatze einer angewendeten, welche sich erst in späterer Zeit durch die technische Ausbildung eines eigentlichen Bücherwesens entwickelte. Musste nehmlich bei der allgemeiner gewordnen schriftstellerischen Thätigkeit schon die reine Bibliographie allmählich auf Details eingehen, welche sie früher nicht zu beachten brauchte (wir erinnern hier nur an die Kenntniss der verschiednen Ausgaben, insofern diese, zumal bei den alten Classikern, einen Maassstab fiir den grössern oder geringern Einfluss oder die verschiedne Behandlungsart gewisser Schriften in einzel

« PreviousContinue »