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Vorwort

Die neukantische Philosophie hat eine wichtige Rolle in dem Geistesleben Deutschlands der sechziger und siebenziger Jahre gespielt, sie behauptet ihre Stellung noch jetzt und nimmt sogar mit der Begründung der „Kantstudien“ durch Vaihinger einen neuen Anlauf znr Entwickelung und Verteidigung ihrer Grundsätze.

Wir glauben, die erste Reihe unserer historischen und kritischen Beiträge zur neukantischen Philosophie Hermann Cohen widmen zu sollen, welcher allgemein als der 'bedeutendste Repräsentant der ganzen neukantischen Richtung anerkannt ist, und welcher zweifellos den Grundzug derselben : die Vorliebe für die Transscendentalphilosophie, am schärfsten und tiefsten ausgebildet hat.

Cohens Versuch, die Transscendentalphilosophie von neuem zu begründen, ist um so interessanter, als er selbst zunächst Gegner der Aprioritätslehre Kants war und erst späterhin einsah, dass die Einwände gegen Kant fast durchweg auf Missverständnissen beruhen, nach deren Beseitigung der Transscendentalismus die Bedeutung eines einzig möglichen wissenschaftlichen Standpunktes in der Philosophie für sich in Anspruch nehmen dürfe. Wie Cohen in der Vorrede zur ersten Auflage von „Kants Theorie der Erfahrung“ 1) sagt, ging ihm die Überzeugung von der Wahrheit der Kantischen Aprioritätslehre „nicht unvermittelt aus dem Studium der Kantischen Werke auf; sondern sie bildete und befestigte sich im Kampfe gegen die Angriffe, welche jene erfahren hatte. Wie der grösste Theil der Jüngeren, welche der Philosophie obliegen, war auch ich in der Meinung aufgewachsen, dass Kant überwunden, -- historisch geworden sei. Als mir daher der Gedanke kam, dass jene Angriffe Kant nicht treffen, wurde derselbe zunächst von dem Glauben an das Ansehen der Zeitgenossen niedergehalten. Je mehr ich jedoch in die Ansichten, aus

?) 1871.

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